Waren können aus unterschiedlichen Ursprungsländern unterschiedliche Zollsätze, sowohl im Positiven wie auch im Negativen aufweisen. Die präferentiellen Ursprungsländer genießen ganz oder teilweise Befreiung oder Minderung von Zollsätzen, was jeder Importeur einmal berücksichtigen sollte. 
Mal ein paar Beispiele:

Zolltarifnummer 87120070990 – Fahrräder

Ursprung Argentinen – 15% (Regelzollsatz)
Ursprung Türkei – 0% (Präferenzzollsatz)
Ursprung China – 15% + 48,5% (Regelzollsatz und Antidumping)

Zolltarifnummer 61091000100 – T-Shirts

Ursprung Indien – 9,6% (Präferenzzollsatz)
Ursprung Türkei – 0% (Präferenzzollsatz)
Ursprung China – 12% (Regelzollsatz)

Die Beispiele zeigen, dass die Wahl des Ursprungslandes durchaus enorme Unterschiede für die Kalkulation bedeuten kann.
Wer die 48,5% hart findet, kann es ja mal mit Palettenhubwagen probieren (84279000190), die liegen bei gerade mal 4% Regelzollsatz, aber zzgl 70,80%!!! Antidumping!
Präferenzabkommen zwischen der EU und anderen Ländern oder Vereinigungen können aus verschiedenen Gründen zu Stande kommen.
Im Falle Indiens beispielsweise versucht man so einem wirtschaftlich schwächerem Land zu helfen.
Im Falle der Türkei ist es eine beiderseitige Zollunion, in der beide Seiten dem anderen Zollfreiheit garantieren um den Handel zwischen den Ländern zu fördern.
Während man im ersten Fall eher an wirtschaftlich schwache Ländern denkt, sollte man beim Thema Zollunion und Freihandel auch Hochtechnologieländer wie Japan im Kopf haben! Japan hat erst vor Kurzem ein Freihandelsabkommen mit der EU ratifiziert wodurch Waren aus Japan ebenfalls zollfrei sind.
Solche Maßnahmen können Nationen oder Staatenbünde natürlich auch gegenteilig, als Sanktion oder Schutz der eigenen Wirtschaft verwenden. Die in der Presse, besonders durch Trump, bekannt gewordenen Strafzölle, oben unter dem Begriff Antidumpingzollsatz erwähnten Sonderabgaben können Waren aus bestimmten Ländern sogar teurer machen als der Regelzollsatz es vorsieht.

Es empfiehlt sich immer, während der Produkt- und Lieferantensuche anhand der Zolltarifnummer über EZT oder Taric (siehe Beitrag zum Thema Zolltarifnummer) zu prüfen, wie hoch die Abgaben sind.
Ist ein Textilhersteller in China 6% günstiger als der in der Türkei, zahlt man trotzdem zu viel, da der Zollsatz aus China 12 und der aus der Türkei 0% wäre! Somit spart man nicht 6%, sondern zahlt 6% drauf

Somit kann sich eine Gründliche Suche nach geeigneten Lieferanten durchaus auszahlen.

Wie gewohnt… bei Fragen zu diesem oder anderen Bereichen zum Thema Zoll und Einfuhr/Ausfuhr, gerne bei mir melden und auch gerne Vorschläge zu künftigen Themen machen.

Youtube Videos sind in Vorbereitung.